Landesgartenschau-Entscheidung für Cuxhaven: Grüne benennen deutliche Kritik
Viel grüne Natur im Schlossgarten - auch ohne Gartenschau laufen Förderprojekte (Foto: Grüne Cux)
Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Rat, Robert Babacé äußert sich in einem Presseinterview der CN zur geplanten Landesgartenschau in Cuxhaven. Wir geben hier die vollständige Beantwortung der Fragen unsererseits wieder.
F: Wie bewerten Sie die Entscheidung der Landesregierung, die Landesgartenschau 2034 nach Cuxhaven zu vergeben?
Aus Sicht von Bündnis 90/Die Grünen Cuxhaven bewerten wir die Vergabe der Landesgartenschau 2034 nach Cuxhaven weiterhin kritisch. Die Entscheidung folgt einer Logik der Eventpolitik, die wir als Grüne seit Jahren hinterfragen. Statt echte ökologische und soziale Transformation zu stärken, setzt die Landesregierung auf ein groß angelegtes Prestigeprojekt, das weder den realen Bedarfen unserer Stadt noch den Prinzipien nachhaltiger Stadtentwicklung entspricht.
Cuxhaven steht vor tiefgreifenden Herausforderungen: Klimaanpassung, Verkehrswende, bezahlbarer Wohnraum und sozial gerechte Infrastruktur. Eine Landesgartenschau bindet über Jahre hinweg finanzielle und personelle Ressourcen, die wir als Grüne viel sinnvoller in dauerhafte, klimastabile und sozial gerechte Stadtentwicklung investieren würden.
Die Vergabe ist daher aus unserer Sicht keine Zukunftsentscheidung, sondern eine politische Fehl Priorisierung, die langfristige Risiken birgt und die ökologische Transformation unserer Stadt eher behindert als fördert.
F: 2025 gab im Rat der Stadt Diskussionen über Finanzierbarkeit und Prioritäten. Sehen Sie diese Bedenken durch die aktuelle Entscheidung und die Landesförderung von bis zu vier Millionen Euro ausgeräumt, oder bestehen sie fort?
Die bereits 2025 geäußerten Bedenken zur Finanzierbarkeit und Prioritätensetzung bleiben aus grüner Sicht vollumfänglich bestehen. Die Landesförderung von bis zu vier Millionen Euro ist ein symbolischer Beitrag, aber sie steht in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Gesamtkosten einer Landesgartenschau.
Als Grüne setzen wir uns für solide Haushaltsführung und nachhaltige Investitionen ein. Ein Projekt, das die Stadt über Jahre finanziell bindet, ohne langfristig gesicherte ökologische oder soziale Mehrwerte zu schaffen, widerspricht diesem Anspruch.
Auch die Folgekosten – Pflege, Unterhaltung, Personal – bleiben dauerhaft im Haushalt und engen den finanziellen Spielraum für zentrale grüne Zukunftsthemen ein: Klimaschutz, Bildung, Mobilität, soziale Teilhabe und bezahlbarer Wohnraum.
Die damaligen Sorgen sind daher nicht ausgeräumt, sondern durch die Vergabeentscheidung sogar verschärft worden.
F: Was muss aus Sicht Ihrer Fraktion in den kommenden Jahren politisch sichergestellt werden, damit die Landesgartenschau für Cuxhaven ein Erfolg wird?
Sollte die Landesgartenschau trotz unserer klaren Kritik umgesetzt werden, muss aus Sicht von Bündnis 90/Die Grünen politisch sichergestellt werden, dass die Belastungen für die Stadt begrenzt bleiben und ökologische sowie soziale Standards eingehalten werden. Für uns steht dabei nicht das Event im Mittelpunkt, sondern die Schadensbegrenzung und die Sicherung echter Nachhaltigkeit.
Als Grüne fordern wir eine verbindliche Deckelung der städtischen Ausgaben. Kostensteigerungen dürfen nicht zulasten von Klimaschutz, Bildung, Mobilität oder bezahlbarer Wohnraum und sozialer Infrastruktur gehen.
Wir lehnen kurzfristige Showflächen ab. Investitionen müssen ökologisch sinnvoll, klimaresilient und langfristig wirksam sein – etwa durch naturnahe Grünflächen, Wassermanagement, Biodiversität und Pflegekonzepte, die dauerhaft tragfähig sind.
Grüne Prioritäten wie Schul- und Kita-Ausbau, Klimaanpassung, Verkehrswende, bezahlbarer Wohnraum und soziale Infrastruktur dürfen nicht durch ein Großevent ausgebremst werden.
Wir setzen uns für vollständige Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit ein. Alle finanziellen und organisatorischen Risiken müssen frühzeitig offengelegt werden.
Die Landesgartenschau darf nicht zu einer Überforderung der Verwaltung führen. Zusätzliche Aufgaben müssen durch zusätzliche Ressourcen gedeckt werden – nicht durch Umverteilung aus wichtigen Bereichen.
Fazit:
Für Bündnis 90/Die Grünen Cuxhaven ist die Landesgartenschau 2034 kein Zukunftsprojekt, sondern ein finanzielles und organisatorisches Risiko, das zentrale ökologische und soziale Aufgaben verdrängen kann. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass Cuxhaven seine Kräfte auf nachhaltige, gerechte und klimastabile Entwicklung konzentriert – statt auf ein zeitlich begrenztes Großevent.
Die Landesgartenschau ist dann ein Erfolg, wenn nicht die Veranstaltung selbst in Erinnerung bleibt, sondern das, was dauerhaft für Cuxhaven entstanden ist. Dazu zählen sichere Rad- und Fußwege, entsiegelte Flächen, klimaresilientes Stadtgrün, mehr Stadtbäume, attraktive Begegnungsorte und eine lebenswertere Stadt für alle. Genau auf diese bleibenden Werte werden wir Grünen unseren politischen Schwerpunkt legen. Wir werden aktiv mitgestalten und auf den Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger in Cuxhaven achten.

